Koh Rong – Paradies oder überbewertet?

Lass mich dir eines gleich zu Beginn versichern: Koh Rong ist nicht nur die bekannteste Insel in Kambodscha, sie ist auch die schönste Insel in Kambodscha. Die Frage ist nur: Ist sie wirklich die Art von Paradies-Insel, von der jeder träumt, oder ganz einfach überbewertet von der Tourismus Behörde und anderen Marketing Kanälen wie den kommerziellen Reiseführern?

Es bietet sich einfach an, diese Frage zu stellen, weil es in Kambodscha nicht viele Inseln gibt – es handelt sich in Wirklichkeit um nur vier Inseln, die von 95% aller Touristen jedes Jahr besucht werden (und diese Zahlen sind nur ein Bruchteil davon, was in Thailand so üblich ist): Koh Rong, Koh Rong Samloem (die kleinere Nachbarinsel), Koh Kong und Koh Thmei. Wenn du mir nicht glaubst, kannst du ja mal eine Google Bildersuche zu all diesen Inseln machen, aber es gibt einen Grund dafür, warum sie gerade auf Koh Rong die meisten Bungalows bauen.

Ist der ganze Hype um Koh Rong gerechtfertigt?

Ich denke es ist am besten diese Frage so zu beantworten, indem ich dir von meinen eigenen Erfahrungen berichte. Dir meine Geschichte erzähle. Wie dir vielleicht schon von meinem Report zum Boot Trip von Sihanoukville nach Koh Rong bekannt ist, war die Fahrt alles andere als angenehm und ich musste mich am darauffolgenden Tag insgesamt neun Mal übergeben. Während meines ersten Nachmittags auf der Insel fühlte ich mich jedoch noch munter und in dem Augenblick, als ich das Boot verließ und auf die Insel kam, überkam mich ein riesiges Glücksgefühl und ich war sehr aufgeregt.

Koh Rong Strand

Es war sehr heiß, ähnlich wie in Sihanoukville, aber zumindest gab es eine leichte Windbrise. Ich ging den Beach Walk am Tui Beach entlang und schaute mich nach einem Bungalow um. Das ist nicht nur der Strand wo sich das Fährterminal befindet sondern auch die meisten Gästehäuser, Restaurants, Bars und Shops. „Beach Walk“ ist eigentlich das falsche Wort dafür, weil er nicht gepflastert ist und der Sand war extrem tief, sodass es unmöglich war in normaler Geschwindigkeit zu gehen. Aber zu meiner rechten war ja dieser wunderschöne Strand mit perfektem sauberen und türkisfarbenen Wasser, der mir eine super Laune bereitete.

Ich sah mir ein paar Bungalows an und entschied mich schließlich für einen direkt am Strand. Ich weiß nicht mal mehr den Namen, denn es waren dort keine großen Schilder oder ähnliches. Ich erinnere mich nur an den britischen Eigentümer, der mir einen 5 US Dollar Preisnachlass für den 35 US Dollar Bungalow gab, weil ich für 2 Nächte bezahlte. Dabei handelte es sich übrigens um Bungalows der etwas besseren Sorte auf Koh Rong, und trotzdem waren sie mehr als spartanisch mit nicht viel Ausstattung: Nur ein Bett mit Mosquito Netz, ein Licht (aber keine Steckdosen, aufladen musste man in der Bar), ein Mülleimer und ein Badezimmer (Zimmer ist wohl das falsche Wort dafür) mit einer kalten Dusche, Toilette ohne Spülung (Wasser Kübel), Waschbecken und einem Spiegel.

Koh Rong Bungalow

Ja, man kann es auch etwas „luxuriöser“ haben wie beispielsweise bei Monkey Island oder Paradise Bungalows, aber dann zahlt man schon mal 80 US Dollar pro Nacht für einen etwas besseren Standard. Nicht wirklich ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, dachte ich mir, und nachdem ich vorhatte an den Abenden den ein oder anderen Drink zu haben (und mich von meiner vorangegangenen holperigen Bootsfahrt zu übergeben) benötigte ich ohnehin keinen großen Komfort.

Da war es dann auch schon 16 Uhr am Nachmittag und so blieb ich erst mal bei meinem Bungalow, genoss den tollen Ausblick auf den Strand und ging um 17 Uhr, also eine Stunde vor Sonnenuntergang, zum Schwimmen ins Meer.

Koh Rong

Hier ist ein Video, wie ich von meinem Bungalow zum Strand gehe:

Nachdem ich vom Planschen und Spielen im Wasser zurückkam (ja wirklich, ich traf eine Gruppe von vier Kambodschanern, die äußerst enthusiastisch mit ihrem Plastikball spielten und mich einluden mitzumachen), nahm ich eine Dusche und schlenderte zurück in Richtung Fährterminal, wo sich die meisten Restaurants und Bars befanden. Mehr dazu in meinem Guide zum Nachtleben und Frauen auf Koh Rong.

Tag 2 auf Koh Rong: Mehr Strände entdecken

Wie bereits erwähnt, ging es mir in der Nacht nach der Bootsfahrt ziemlich übel und fühlte mich für mehr als die Hälfte meines zweiten Tages hundsmiserabel. Es war bereits 16 Uhr, als ich mich ein wenig erholt hatte und vom Bambus-Stuhl auf der Terrasse meines Bungalows aufstand und mich entschied einen Spaziergang zum zweitbekanntesten Strand auf Koh Rong nach dem Tui Beach zu unternehmen: Long Set Beach.

Zuerst ging ich im seichten Meerwasser entlang zum östlichen Ende des Tui Beach:

Koh Rong Tui Beach

Dann einen kleinen Hügel hoch, wo ich ein sehr ruhiges und abgeschiedenes Bungalow Resort inmitten des Regenwaldes entdeckte. Auch ein kleiner, unscheinbarer Strand war dort zu sehen. Ich setzte meine kleine Wanderung den Pfad entlang durch den Busch fort und ziemlich genau 30 Minuten nachdem ich meinen Bungalow verlassen hatte, erreichte ich das westliche Ende des beindruckenden Long Set Beach:

Long Set Beach

Der Strand ist ungefähr 2,5 Kilometer lang (deswegen auch sein Name) und hat nur ein paar wenige, teurere, Resorts. Deswegen sieht man dort auch nur ganz wenige Leute um sich herum und hat super Möglichkeiten für paradiesische Aufnahmen:

Long Set Beach 2

Die Bilder wurden um ziemlich genau 17 Uhr aufgenommen (eine Stunde vor Sonnenuntergang) und das ist die Zeit, bei der man das beste Licht hat – vorausgesetzt es befinden sich nicht viele Wolken am Himmel, wie an diesem Tag. Und hier ist ein Video, das ich an diesem Ort gemacht habe:

Anschließend ging ich wieder gemütlich zurück zu meinem Bungalow, wo ich mich duschte und für das Abendessen am Strand fertig machte. Noch eine Sache, die möglicherweise für dich interessant ist (wie auch für mich als ich hierher kam):

Island Hopping auf Koh Rong

Koh Rong Insel Hopping

Du wirst diese Schilder an einigen Stellen am Tui Beach sehen. Das Problem dabei ist (meiner Meinung nach), dass sie meist von Ausländern organisiert werden oder um genauer zu sein: Hippies unter 30. Ich erkundigte mich an einem Stand und das Mädchen erklärte mir, dass die Island Hopping Tour nur 10 US Dollar kostet, inklusive Dinner und Getränke. Der Trip startet um 13 Uhr und endet um ca. 20 Uhr. Sie besuchen dabei ein paar Inseln, darunter den Sunset Beach auf Koh Rong Samloem, auf einem Long Tail Boot mit 5-10 anderen Leuten und es mache immer so viel Spaß.

Sie erzählte mir daraufhin, wie betrunken jeder das letzte Mal war und was für einen riesigen Spaß es gemacht hat. Du kannst nun für dich selbst entscheiden ob es Spaß machen würde, 7 Stunden auf einem winzigen Boat mit einem Haufen von Hippies zu verbringen – ich dachte eher nicht und so habe ich die Tour auch nicht gemacht. Nun ja, es wäre ohnehin nicht gegangen, weil ich mich für die bessere Hälfte des Tages ziemlich schlecht fühlte.

Eine andere ziemlich beliebte Touristen-Aktivität auf Koh Rong ist Zip Lining im Inneren der Insel. Erkundige dich einfach an einem der „Reisebüros“. Und noch ein ziemlich schöner Ort, den es sich auf jeden Fall lohnt zu besuchen, ist die Sky Bar. Es führen ziemlich viele Stufen den Berg hoch (und entlang des Weges sind recht lustige und ermutigende Schilder angebracht) und die Aussichten auf den Tui Beach, Koh Rong und das benachbarte Koh Rong Samloem sind die besten, die es hier gibt. Leider habe ich davon kein Bild, weil ich dachte ich würde nochmal zum Sonnenuntergang kommen – es blieb allerdings beim Gedanken.

Schlussfolgerung

Ich denke, du hast nun einen guten Eindruck davon, wie mir mein 2-Nächte Trip nach Koh Rong gefallen hat. Jedoch bin ich mir ziemlich sicher, dass mir ab dem 3. Tag ziemlich langweilig geworden wäre – selbst meine zweite Nacht in den Bars hat mir nicht wirklich gut gefallen, weil es einfach fast nur Hippies überall gab, und absolut keine kambodschanischen Frauen zu treffen. Viele von ihnen leben hier sogar und arbeiten in den Bars. Das australische Vater-Sohn Paar, das ich auf meinem Bootstrip zurück nach Sihanoukville getroffen habe, teilte dieselbe Meinung. Er brachte es richtig auf den Punkt: „This island is a dead end.“ Trotzdem, es macht Spaß ein oder maximum zwei Nächte an diesen schönen Stränden zu verbringen – nicht mehr und nicht weniger als das.

Schreibe einen Kommentar